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„Es gibt viele Gründe, gesund zu bauen“

Im Gespräch mit Bernhard Jakob, Geschäftsführer asset bauen wohnen gmbh

Gesundes Bauen ist zwar kein gänzlich neues Thema, aber aktueller denn je. Das weiß auch Bernhard Jakob, Geschäftsführer der asset bauen wohnen gmbh. Das Augsburger Unternehmen ist nicht nur Vorreiter in Sachen Energieeffizienz Plus, sondern auch beim Thema Wohngesundheit. Bei seinen Wohnbauprojekten kommen zunehmend auch geprüft schadstoffarme Produkte zum Einsatz. Aktuell wurde ein Seniorenwohnheim baugesund fertig gestellt – mit sehr guten Raumluftergebnissen. Der Experte Bernhard Jakob im Gespräch.

Herr Jakob, wie sind Sie zum gesunden Bauen gekommen?

Bernhard Jakob: Mit dem Thema Wohngesundheit kam ich vor circa acht oder neun Jahren erstmals in Berührung. Es hat mich sofort interessiert und lässt mich bis heute nicht mehr los. Als Bauleiter war ich damals ganz nah an der Praxis und habe regelmäßig auf der Baustelle die Ausdünstungen von Schadstoffen gerochen, z. B. von Dämmmaterialien oder Silikon. Jeder kennt das aus eigenen Erfahrungen, wenn man einen Neubau betritt und angesichts des wahrnehmbaren Geruchs denkt: Das kann doch nicht gesund sein! Und selbst wenn nach einigen Tagen der Geruch verschwunden ist, können noch Schadstoffe in der Luft liegen. Man sollte sich also schon Gedanken machen, welche Baustoffe man verwendet.

 

Was haben Sie daraufhin unternommen? 

Bernhard Jakob: Ich habe mich intensiv mit dem Thema befasst. Und da ich jemand bin, der sich gerne mit Innovationen auseinandersetzt, habe ich zum energieeffizienten Bauen, das wir schon länger praktizierten, damals auch gleich das wohngesunde Bauen mitaufgenommen. Für mich war das ein logischer und nachvollziehbarer Schritt, schließlich hängt beides zusammen. Energieeffiziente Gebäude zeichnen sich grundsätzlich durch einen geringen Luftaustausch aus. Denn Wärme im Winter – oder Kühle im Sommer – sollen ja in den Räumen bleiben. Was allerdings auch dazu führt, dass sich Schadstoffe, die aus den Baustoffen austreten können, in der Raumluft ansammeln und für die Bewohner somit ein gesundheitliches Risiko darstellen. Indem wir ausschließlich mit geprüft schadstoffarmen Materialien arbeiten, konnten wir seitdem die Raumluftqualität unserer Gebäude sehr stark verbessern. Es ist jetzt etwa fünf Jahre her, dass wir erste Reihenhäuser komplett wohngesund fertig gestellt haben. Wir erhalten sehr viel positive Rückmeldung von den Bewohnern: Sie fühlen sich einfach besser und können sprichwörtlich „gesund durchatmen“.

 

Also haben durch das gesunde Bauen alle Beteiligten gewonnen …

Bernhard Jakob: Absolut. Und es geht ja auch nicht allein um die Gesundheit der Hausbewohner. Ein schöner „Nebeneffekt“ sind zudem die wesentlich sauberen Baustellen.

 

Gesundes Bauen hat also auch Auswirkungen auf die Arbeitsweise auf der Baustelle?

Bernhard Jakob: Gesundes Bauen geht über die Verwendung wohngesunder Produkte hinaus, es umfasst z. B. auch die intensive Schulung der Handwerker und ein entsprechend verantwortungsvolles Verhalten bei der richtigen Verarbeitung auf der Baustelle: Keine Folien und Verpackungen im Gebäude mehr zu lagern; dann die tägliche Reinigung der Baustelle, damit der Staub raus kommt, und so einiges mehr.

 

Wie wird denn dann letztlich bestimmt, was „wohngesund“ ist?

Bernhard Jakob: Festgestellt wird die Wohngesundheit über Raumluftmessungen, die das Vorhandensein von Emissionen überprüfen. Wir lassen jedes unserer Häuser von einem unabhängigen Gutachter prüfen und die guten Werte für die Wohngesundheit bestätigen. Gesundes Bauen heißt aber auch, ein Stück weit das gesamte Denken umzustellen. Zum Beispiel würde doch jeder meinen, dass Holzfenster gegenüber Kunststofffenstern „gesünder“ sind. Das ist aber nicht unbedingt der Fall, denn Holzfenster werden mit Lasuren, Lacken usw. behandelt und emittieren oft mehr Schadstoffe als Kunststoff- oder Alufenster. Allerdings gibt es natürlich auch ökologische Produkte, die auf geringe Emissionen geprüft und somit wohngesund sind. Man muss also keinesfalls auf eine ökologische Bauweise verzichten, um auch gesund zu bauen. Auch generell ist man in Bezug auf die Raumgestaltung nicht eingeschränkt, da es eine große Produktvielfalt zur Auswahl gibt. Man muss jedoch differenzieren.

 

Die Innenraumluft ist also das wichtige Thema beim gesunden Bauen …

Bernhard Jakob: Ja. Und man kann ihre Qualität durch den Einsatz der richtigen Produkte, eine sorgfältige Arbeitsweise und den Einbau von Lüftungsanlagen wesentlich beeinflussen. Gerade der letzte Punkt sollte im Zusammenhang mit gesundem Bauen nicht vernachlässigt werden. Schließlich will man ja nicht nur gesund bauen, sondern man möchte auch, dass das Wohnen gesund bleibt. Deshalb muss ein Luftaustausch stattfinden, der mögliche Schadstoffe zum Beispiel durch Möbel kontinuierlich nach draußen befördert. Lüftungsanlagen sind die logische Fortsetzung: Sie unterstützen das gesunde Bauen und den Einsatz schadstoffarmer Baustoffe. Aber man muss auch ganz klar sagen: Die Lüftungsanlage allein reicht nicht aus.

 

Worauf kommt es für Sie als Bauträger neben all diesen Aspekten bei der Umsetzung wohngesunder Projekte noch an?

Bernhard Jakob: Wichtig ist für uns vor allem ein verlässlicher Partner für gesundes Bauen, der bei projektspezifischen Herausforderungen schnell und kompetent weiterhelfen kann. Da befinden wir uns mittlerweile in einer guten Ausgangslage, denn es gibt heute sowohl eine große Produktvielfalt an entsprechend emissionsarmen Baustoffen und Materialien als auch eine hohe fachliche Kompetenz. Gesundes Bauen ist daher in allen Bereichen möglich und es gibt keinerlei Einschränkungen mehr. Deshalb macht das Ganze jetzt auch richtig Spaß!

 

Haben Sie auch eine persönliche Motivation, gesund zu bauen?

Bernhard Jakob: Für mich geht es zu allererst darum, wohngesunde, zukunftsfähige Gebäude zu bauen, in denen sich die Bewohner oder Nutzer ohne Bedenken aufhalten können. Ein wenig Idealismus ist natürlich dabei, aber gesundes Bauen macht durchaus auch aus unternehmerischer Sicht Sinn. Es ist ein extrem innovatives Feld, das uns derzeit eine gute Marktpositionierung ermöglicht. Es gibt also viele gute Gründe, gesund zu bauen. Ich möchte in Zukunft jedenfalls alle Projekte, bei denen ich federführend beteiligt bin, wohngesund umsetzen. Ich werde nicht mehr anders bauen.

 

Und welche Verantwortung sehen Sie bei Bauträgern oder der Baubranche allgemein im Hinblick auf gesundes Bauen für kommunale Gebäude, wie Schulen, Kindergärten, Sporthallen und Hallenbäder?

Bernhard Jakob: Da sehe ich eine große Verantwortung bei allen Planern und Entscheidern im Bauprojekt. Wir hatten in letzter Zeit ja genügend Beispiele dafür, was passieren kann, wenn man sich diesem Thema nicht stellt, Stichwort Kitas: Letztes Jahr musste eine Kindertagesstätte wegen Schadstoffbelastung geschlossen werden. Ähnlich wie bei einem anderen Kita-Neubau – dort ist bis heute noch nicht einmal die genaue Ursache erforscht. So etwas ist nicht nur gefährlich, teuer und unökonomisch, sondern auch peinlich für Bauherren und Ausführende, für die es eine Selbstverständlichkeit sein sollte, gesunde Gebäude anzubieten. Zumal gesundes Bauen sich auf der Kostenseite nicht nennenswert niederschlägt. Und an der Gesundheit sollte man ohnehin nicht sparen.

 

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