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Emissionen beim Bauen: ein unterschätztes Risiko

Obwohl den meisten Menschen das Thema Gesundheit heute wichtig ist, vermuten nur rund 40 Prozent, dass auch von den eigenen vier Wänden gesundheitliche Belastungen ausgehen könnten (Quelle: Heinze, Online-Befragung bei Bauherren/Modernisierern, Januar 2014). Doch gerade hier sind wir bei unzureichender Aufmerksamkeit mehr Schadstoffen ausgesetzt, als wir denken. Wo die häufigsten baubedingten Schadstoffquellen in Innenräumen liegen und wie sie sich vermeiden lassen …

Unterschätztes Risiko: Über 60 Prozent der Bauherren sind sich baubedingter Schadstoffemissionen nicht bewusst

 

 

Das fehlende Bewusstsein

Innenräume sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens. Mitunter halten wir uns bis zu 90 Prozent eines Tages innerhalb von Gebäuden auf. Hier schlafen und arbeiten wir, gehen zur Schule oder in den Kindergarten, besuchen die Bücherei oder treiben Sport. Die Luftqualität dieser Innenräume spielt für unser Wohlbefinden und auch für unsere Gesundheit also eine nicht unerhebliche Rolle.

Umso erstaunlicher ist, dass offenbar in der Bevölkerung nur ein geringes Bewusstsein für gesundheitliche Risiken durch Bauprodukte vorherrscht. Umfrageergebnisse zeigen, dass gesundheitliche Themen generell zwar eine große Rolle spielen, doch nur knapp 40 Prozent vermuten, dass tatsächlich gesundheitliche Belastungen von den Materialien ausgehen könnten, aus denen unsere Häuser gebaut sind. (vgl. Heinze Marktforschung: Online-Befragung bei Bauherren und Modernisierern, Januar 2014)

 

Der Einfluss von Baustoffen auf die Qualität der Innenraumluft

In einer jüngst veröffentlichten Studie zum Thema „Rechtliche Regelungen für Bauprodukte“ ermutigt das Bundesumweltamt Verbraucherinnen und Verbraucher beim Kauf von schadstoff- und emissionsarmen Bauprodukten auf entsprechende Angebote im Fachhandel zu achten. Wodurch aber wird die Qualität unserer Innenraumluft eigentlich genau belastet und wo liegen die Ursachen? Geht man diesen Fragen nach, lassen sich vier wesentliche Schadstoffquellen identifizieren:

1.     Oftmals sind Bau- und Dämmmaterialien die Ursache für Schadstoffbelastungen in der Luft unserer Innenräume.

2.     Innerhalb unserer Räume können die Verkleidungen von Decken und Wänden, Anstriche oder Tapeten, Bodenbeläge sowie darunter liegende Klebstoffe für Beeinträchtigungen der Luftqualität sorgen.

3.     Einrichtungsgegenstände geben ebenfalls Emissionen an die Atemluft ab.

4.     Im Zuge unserer Nutzung der Innenräume beeinflussen wir die Qualität der Luft außerdem selbst aktiv mit: indem wir unter anderem kochen, waschen, rauchen oder diverse Reinigungsmittel einsetzen, ausreichend lüften oder auch nicht.

 

Schlaflosigkeit, Müdigkeit und Atemprobleme durch mangelnde Innenraumluftqualität

Innenraumbelastende Schadstoffe beeinträchtigen unsere Gesundheit. Viele der schädlichen Substanzen liegen unterhalb einer wahrnehmbaren Geruchsschwelle, werden also gar nicht bewusst wahrgenommen. Dennoch reagiert der menschliche Körper auf eine schadstoffbelastete Innenraumluft. Je nach Konzentration und Schadstoffart können Kopfschmerzen und Schwindelgefühle, Unwohlsein, Müdigkeit, Reizungen der Atemwege und Schleimhäute die direkte Folge sein. Langfristig sind Atemwegsbeschwerden, Asthma und Allergien sowie Schädigungen des Nervensystems und der Organe zu den Folgen zu zählen.

Die folgende Tabelle vermittelt einen Überblick über die häufigsten baubedingten Belastungen in Innenräumen und ihre gesundheitliche Wirkung auf den Menschen:

 

Innenraumbelastender Schadstoff Baubedingte Quellen Gesundheitliche Wirkung
     
leicht- und mittelflüchtige organische Verbindungen, so genannte VOC, wie sie in Form von Lösungsmitteln oder Formaldehyd vorkommen Spanplatten, Holzwerkstoffen, Lacke und Farben, Parkettversiegelungen, Dispersionskleber Reizung des Atmungstraktes, Beeinträchtigung des Nervensystems, Befindlichkeitsstörungen, zum Teil krebserregend
     
mittel- und schwerflüchtige organische Substanzen wie Biozide, Weichmacher und Flammschutzmittel PVC-Produkte, Kunststoffe, Holzschutzmittel, Wandfarben und Lacke, Teppiche, Parkettkleber, Versiegelungen Kopfschmerzen, Übelkeit, Schädigung des Nervensystems und der Organe, zum Teil krebserregend
     
künstliche Mineralfasern (KMF oder Mineralwolle) wie sie insbesondere in Dämmstoffen vorkommen Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutzmaterialien, Rückenbeschichtungen älterer Bodenbeläge Reizungen der Haut (Juckreiz), der Atemwege und der Augen, krebserregend

 

 

Innenraumbelastender Schadstoff
leicht- und mittelflüchtige organische Verbindungen, so genannte VOC, wie sie in Form von Lösungsmitteln oder Formaldehyd vorkommen
mittel- und schwerflüchtige organische Substanzen wie Biozide, Weichmacher und Flammschutzmittel
künstliche Mineralfasern (KMF oder Mineralwolle) wie sie insbesondere in Dämmstoffen vorkommen

 

Baubedingte Quellen
Spanplatten, Holzwerkstoffen, Lacke und Farben, Parkettversiegelungen, Dispersionskleber
PVC-Produkte, Kunststoffe, Holzschutzmittel, Wandfarben und Lacke, Teppiche, Parkettkleber, Versiegelungen
Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutzmaterialien, Rückenbeschichtungen älterer Bodenbeläge

 

Gesundheitliche Wirkung
Reizung des Atmungstraktes, Beeinträchtigung des Nervensystems, Befindlichkeitsstörungen, zum Teil krebserregend
Kopfschmerzen, Übelkeit, Schädigung des Nervensystems und der Organe, zum Teil krebserregend
Reizungen der Haut (Juckreiz), der Atemwege und der Augen, krebserregend

 

Gesundheitsrisiken in modernen Gebäuden

Moderne Gebäude können durch bedenkliche oder sogar gesundheitsschädliche Stoffe belastet sein. Vielerorts ist hier die Emissionsbelastung sogar um ein Vielfaches höher. Der Grund ist einerseits, dass nach wie vor Bauprodukte verwendet werden, die flüchtige organische und damit gesundheitsschädigende Stoffe enthalten. Diese können in den Innenraum gelangen und hier die Atemluft verunreinigen. Andererseits wurde im Zuge der sinnvollen Bemühungen um Energieeffizienz der Luftaustausch derart drastisch reduziert, dass etwaige Schadstoffe innerhalb der dichter gewordenen Gebäudehüllen kaum noch nach außen abgeführt werden. Die aus energieeffizienter Sicht positiv zu bewertenden dichten Fenster, Türen, Dächer und Gebäudehüllen tragen somit zu einer Anreicherung der schlechten Luft bei. Die Leidtragenden sind die Bewohner. Doch damit nicht genug. Zu allem Übel sind durch die dichten Gebäudehüllen neue gesundheitliche Problemfelder entstanden: Der verminderte Luftaustausch und die damit verbundene unzureichende Möglichkeit, Luftfeuchtigkeit abzuführen, kann die Schimmelpilzbildung fördern.

 

 

Achtung Altbau

Höhere Schadstoffwerte können auch in Altbauten angetroffen werden. Dies lässt sich vor allem damit erklären, dass für in der Vergangenheit verwendete Produkte keine Grenzwerte für die Emission von Schadstoffen existierten oder noch nicht bekannt war, dass eine Gefahr von den Inhaltsstoffen ausgehen kann. Hierzu zählen zum Beispiel bestimmte Holzschutzmittel, Anstriche und Beschichtungen. Doch insbesondere schwerflüchtige Substanzen dünsten teils über mehrere Jahre aus. Obwohl sie heute u.a. aufgrund der krebserzeugenden Wirkung verboten sind, sind sie in alten Holzschutzmitteln, Fugendichtungsmaterialien oder Klebemitteln noch anzutreffen. Deshalb empfiehlt es sich, vor einer geplanten Sanierung professionellen Rat einzuholen, um verdächtige Materialien prüfen und die Qualität der Raumluft auf etwaige Schadstoffbelastungen hin messen zu lassen. Nicht selten ist die anschließende Modernisierung des Altbaus zunächst mit dem Rückbau gesundheitsschädigender Materialien und Baustoffe wie asbesthaltigen Bodenbelägen und -aufbauten, Klebstoffen, Teeren oder Faserprodukten verbunden; Arbeiten, die stets von einem qualifizierten Fachbetrieb ausgeführt werden sollten.

 

Die Lösung: wohngesund bauen

Obwohl die Belastungsquellen mitunter in unserer unmittelbaren Umgebung liegen, werden sie selten als solche wahrgenommen. Vor allem werden unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen, Allergien, Konzentrationsstörungen – im ungünstigsten Fall bis hin zu Krebs – noch selten mit Schadstoffanreicherungen im Wohninnenraum in Verbindung gebracht. Dies scheint insofern bedenklich, als die eigenen vier Wände einen wichtigen Ort für viele darstellen.

Zuverlässigen und langfristigen Schutz vor Schadstoffen kann die Wahl der richtigen Bau- und Sanierungsprodukte bieten. Aus heutiger Sicht ist es daher ratsam, auf emissionsarme Baumaterialien zurückzugreifen und ganz unter dem Vorzeichen der Wohngesundheit zu bauen.

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