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In 11 Schritten zum gesunden Bauen und Wohnen

Damit es nicht das eigene Haus ist, das einmal gesundheitliche Beschwerden verursacht, ist es wichtig von Grund auf wohngesund vorzugehen. Worauf es bei der Planung und Umsetzung zu achten gilt …

In 11 Schritten zum gesunden Bauen und Wohnen

Die meisten Menschen erfüllen sich mit dem Eigenheim einen Lebenstraum. Es ist nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern stellt für viele Jahre, oft auch bis zum Lebensende den Lebensmittelpunkt dar. Viele Jahre werden sie höchstwahrscheinlich auch mit ihren Kindern in dem Haus verbringen. Um langfristig wohngesund in den eigenen vier Wänden zu leben, gilt es, von Beginn an richtig zu planen. Wir haben die wichtigsten Schritte zum wohngesunden Bauen zusammengefasst:

1. Gesundheitliche Bestandsaufnahme

Es ist klar und gerät doch oft in Vergessenheit: Im Zentrum Ihres Bauprojekts stehen in allererster Linie Sie und die Menschen, mit denen Sie in dem neuen Haus oder Umbau leben werden. Daher ist es wichtig, sich den eigenen Gesundheitszustand bewusst zu machen und zu überlegen, welche gesundheitlichen Anforderungen Sie an Ihr Bau- und Wohnprojekt stellen (z. B. hinsichtlich Hypersensibilität oder Allergien). Konsultieren Sie bei Bedarf Ihren Hausarzt oder einen Allergologen. Zusätzliche Informationen gibt es über das Umweltbundesamt oder ausgewiesen fachkundige Berater.

2. Finden Sie Ihr „wohngesundes“ Grundstück

Ein Grundstück, das für Ihr Bauvorhaben in Betracht kommt, sollte im Vorfeld genau auf die Einwirkungen aus seiner Umgebung untersucht werden. Hierbei ist insbesondere auf ungünstige Umwelteinflüsse aus Industrie und Verkehr zu achten, auf etwaige Boden- und Luftbelastungen (z. B. durch Altlasten) und auf Quellen bedenklicher Belastungen durch Lärm, Funk oder Elektrosmog. Wer sichergehen will, dass sich das Bau- und Wohnprojekt auf dem in Betracht gezogenen Grundstück auch realisieren lässt, sollte bei der Auswahl des Standortes ggf. einen Architekten/Bauingenieur hinzuziehen.

3. Starten Sie Ihr wohngesundes Bauprojekt gut informiert

Informieren Sie sich über die Möglichkeiten wohngesunden Bauens und entwickeln Sie eine Vorstellung davon, wie Ihr Haus aussehen, wie es sich anfühlen und welche Funktionen es erfüllen soll. Möchten Sie z. B. mehrere Generationen unterbringen oder planen Sie fürs Alter? Überlegen Sie, was Ihnen für Ihr Wohlbefinden wichtig ist. Berücksichtigen Sie dabei sowohl Ihre ästhetischen Wünsche als auch neueste Erkenntnisse auf dem Gebiet der wohngesunden Bautechnik. Bedenken Sie die Möglichkeiten eines gesunden Raum-, Licht- und Farbdesigns und informieren Sie sich über geeignete Materialien. Statten Sie hierfür Baustoffanbietern einen Besuch ab, die auf wohngesundes Bauen spezialisiert sind, und lassen Sie sich individuell beraten. Qualifizierte Berater stimmen emissionsarme Baustoffe aufeinander ab und berücksichtigen weitere Einflussfaktoren auf das Wohlbefinden, indem sie zusätzlich die biologischen und physikalischen Eigenschaften der Produkte wie z.B. Schimmel- oder Schallschutz individuell nach Einbausituation bewerten.

4. Legen Sie ihre wohngesunden Koordinaten im Pflichtenheft fest

Nachdem die gesundheitlichen Risiken und Anforderungen durch die Analyse geklärt wurden und die Möglichkeiten wohngesunden Bauens erfasst sind, ist es an der Zeit, die entsprechenden Schlussfolgerungen zu ziehen und am besten in Form eines „Pflichtenheftes“ festzuhalten. Idealerweise lässt sich in dieser Phase die Schnittstelle zwischen architektonischen Wunschvorstellungen, Wohngesundheit und Bautechnik definieren.

5. Ziehen Sie Experten hinzu, die alles im Blick haben

Angesichts der Tatsache, dass die Planung, Begleitung und Durchführung eines Bauvorhabens fachlich mit komplexen Anforderungen verbunden ist, empfiehlt es sich, einen im Bereich Wohngesundheit versierten Bauingenieur/Architekten hinzuzuziehen oder eine baubegleitende Qualitätskontrolle zu beauftragen. Dies stellt sicher, dass die von den Bauunternehmen erbrachten Leistungsabschnitte (z. B. Bodenplatte, Roh- und Trockenbau, Dämmung, Fenster, Isolierungen, Innenausbau, Haustechnik, Fertigstellung usw.) eingehend vor Ort überprüft und präzise dokumentiert werden.

6. Besonderheit Bestandsobjekt

Bei der Umgestaltung eines Altbaus ist zunächst eine auf die Wohngesundheit bezogene Analyse des Bestandes erforderlich. Hierbei sollten der allgemeine Zustand des Objektes, die Bauweise und die verwendeten Baustoffe eingehend und unter Zuhilfenahme entsprechender Messinstrumente auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit geprüft werden. Im Fokus steht die Identifikation der Raumluftbelastung oder Altlasten im Gebäude. Da sowohl die Sanierung unerkannter gesundheitsrelevanter Gebäudeschäden als auch die Beseitigung bestimmter, aus heutiger Sicht gesundheitsschädlicher Materialien (z.B. bestimmte Holzschutzmittel oder Asbest) zu sehr hohen unerwarteten Kosten führen kann, ist eine Begehung in Anwesenheit eines Experten sehr zu empfehlen.

7. Erstellen Sie Leistungsverzeichnisse für Bauunternehmen

Die Realisierung eines rundum wohngesunden Objekts stellt Anforderungen sowohl an die auszuführenden Arbeiten als auch an die Materialien, die verwendet werden. Wichtig ist also, dass diese Anforderungen in Bezug auf das individuelle Bauvorhaben genau definiert und festgehalten werden. Ist das Bauvorhaben unter wohngesunden Aspekten abschließend geplant und definiert, sind die Leistungsverzeichnisse zu erstellen, um geeignete Unternehmen beauftragen zu können. Ein qualifiziertes Unternehmen sollte über nachgewiesene Erfahrungen und gute Referenzen auf dem Gebiet der Wohngesundheit verfügen.

8. Legen Sie Wohngesundheit im Bauvertrag fest

In dem abzuschließenden Bauvertrag sollte die Wohngesundheit als Arbeitsgrundlage vertraglich festgelegt sein. Die Anforderungen an die Wohngesundheit sind in der Baubeschreibung genau zu definieren, der Ausschluss bestimmter Baustoffe zu garantieren und die Verwendung möglichst genau bezeichneter Baustoffe zu regeln. Sie könnten zum Beispiel auf die Richtwerte des Umweltbundesamts verweisen, die im Leistungsverzeichnis verankert zu Grenzwerten werden.

9. Bleiben Sie während der Bauphase auf dem Laufenden

Während der Fertigstellungsphase ist es die Hauptaufgabe des beauftragten Architekten/Bauingenieurs, vor Ort die Einhaltung der im Leistungsverzeichnis genannten Leistungen zu überwachen, die Bauarbeiten hinsichtlich korrekter Ausführung im Auge zu behalten und ggf. Nachbesserungen einzufordern. Wird während der Bauphase festgestellt, dass kritische Baustoffe ohne Rücksprache verbaut worden sind, kann eine Zwischenmessung der Raumluft während der Bauphase sinnvoll sein. Durch eine gute Kommunikation behalten Sie den Überblick und bleiben auf dem Laufenden, was die Fertigstellung Ihres wohngesunden Hauses anbelangt.

10. Prüfen Sie nach Fertigstellung gründlich

Ist das Bauvorhaben fertiggestellt, folgt die Abnahme und damit eine letzte Kontrolle, ob das Objekt mit Ausnahme unwesentlicher Mängel vertragsgerecht gebaut worden ist. Neben der Prüfung sämtlicher baulicher Gegebenheiten sollte beim wohngesund gebauten Objekt insbesondere die Einhaltung der entsprechend definierten Anforderungen überprüft werden. Referenzgrundlage ist das Leistungsverzeichnis, das im Bauvertrag festgelegt wurde. Die Inspektion sollte vom Architekten/Bauingenieur oder einem separat hinzugezogenen qualifizierten Kontrollinstitut durchgeführt werden. Unter Einbindung spezieller Messinstrumente wird dabei die Raumluft der Innenräume gemessen und auf ihre Qualität hin überprüft. Die Ergebnisse sollten in einem Bericht zusammengefasst und nach den Richtlinien des Umweltbundesamtes bewertet werden.

Die Abnahme selbst sollte grundsätzlich förmlich erfolgen und somit in Anwesenheit aller drei Parteien vonstattengehen, das heißt in Gegenwart der Bauherrenseite, des Architekten/Bauingenieurs und des Bauunternehmers. Die Ergebnisse der Bauabnahme werden in einem schriftlichen Protokoll festgehalten, wobei eventuell noch zu beseitigende Mängel hier genau zu bezeichnen sind und eine Beseitigungsfrist vereinbart werden sollte.

11. Langfristig gesund Wohnen

Mit dem Neu- oder Umbau unter wohngesundem Vorzeichen haben Sie die Grundlage für ein gesundes Zuhause geschaffen. Um die Qualität der Luft tatsächlich langfristig nicht zu belasten, sind auch bei der Gestaltung und Nutzung der Innenräume einige wesentliche Ratschläge zu beherzigen. So sollte bereits bei der Inneneinrichtung auf wohngesunde Einrichtungsgegenstände geachtet werden und die Wahl auf schadstoffarme bzw. -freie Farben, Bodenbeläge, Möbel und Wohnaccessoires fallen. Verzichten Sie außerdem weitgehend auf chemische Reinigungsmittel, verwenden Sie Staubsauger mit Feinfilter oder reinigen Sie Flächen feucht. Sorgen Sie nicht zuletzt durch regelmäßiges und ausreichendes Lüften dafür, dass die Luft in Ihren vier Wänden nicht dick wird und stets frisch bleibt. So ist und bleibt Ihr Neu- oder Umbau auch langfristig ein gesundes Zuhause.

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