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Unbeschwert groß werden: Das gesunde Kinderzimmer

Kinder sind von Emissionsbelastungen in der Luft besonders betroffen. Gerade weil sich bei Kindern der Stoffwechsel, das Immun- und das Nervensystem noch im Aufbau befinden, wirken sich Schadstoffe deutlich schneller und stärker auf die Gesundheit aus als bei Erwachsenen. Warum wohngesundes Bauen nicht Alternative, sondern Leitprinzip sein sollte …

Das gesunde Kinderzimmer

Rund 25 Prozent aller Kinder und Jugendlichen leiden unter Allergien (Quelle). Die Ursachen werden häufig zuerst im Bereich Nahrungsmittel, Umwelt, Textilien und Natur vermutet. Doch auch die Wohn- und Lebensumgebung der Heranwachsenden kann der Gesundheit schwer zusetzen. Oft ist Eltern gar nicht bewusst, dass die Ursachen von Hautentzündungen, Atemwegserkrankungen oder Kopfschmerzen auf ein ungesundes Wohnumfeld zurückgeführt werden können. Fakt ist, nicht jede Wandfarbe, nicht jeder Bodenbelag oder Kleber ist tatsächlich gesundheitlich unbedenklich. Auch unter der Oberfläche oder im Wandaufbau können sich Schadstoffquellen verbergen, die ungesunde Substanzen an die Innenraumluft abgeben. Dabei kann eine gesundheitsschädliche Konzentration auch unterhalb einer wahrnehmbaren Geruchsschwelle liegen. Gewissheit bringt meist nur eine professionelle Raumluftmessung. Es ist also wichtig, dass wir verstärkt auf ein gesundes Umfeld für den Nachwuchs achten.

 

Kinder brauchen besonderen Schutz

Es ist erwiesen, dass schadstoffhaltige Emissionen für Kinder besonders gesundheitsschädigend sein können. Ein Grund hierfür ist die körperliche Disposition des Kindes: Während Erwachsene etwa 12- bis 18-mal pro Minute ein- und ausatmen, liegt die Atemfrequenz bei Kindern durchschnittlich bei etwa 25 Atemzügen pro Minute, bei Neugeborenen und Säuglingen sind es sogar bis zu 45. Kinder nehmen also naturgemäß in der gleichen Umgebung wesentlich mehr Schadstoffe auf als Erwachsene. Dies ist nicht zuletzt deshalb bedenklich, da ihr Immunsystem gerade erst im Begriff ist, sich vollständig zu entwickeln. Nicht selten reagieren Kinder daher auf ungesunde Substanzen in der Luft um ein Vielfaches stärker als Erwachsene. Reizung der Augen, Haut und Schleimhäute, Atembeschwerden und allergische Symptome können die Folge sein. Bei längerfristigen Belastungen sind Lungenerkrankungen und Asthma, chronische Kopfschmerzen sowie Schädigungen des Nervensystems und der Organe möglich. Daher spielen gesundheitliche Aspekte bei der Gestaltung des unbelasteten Kinderzimmers eine wichtige Rolle. Dies reicht von der Wahl wohngesunder Möbel bis hin zu ebensolchen Textilien, Polstern, Wandanstrichen und Teppichen. Eltern, die heute planen, neu zu bauen, einen Altbau zu modernisieren oder die Zimmer des Nachwuchses räumlich umzugestalten, sollten unbedingt auf den Einsatz schadstoffarmer Baustoffe und Materialien achten.

 

Ein wohngesundes Umfeld ist die Grundlage für eine gesunde Entwicklung

Kinder verbringen täglich rund 15 Stunden in Innenräumen. Vor allem das Kinderzimmer ist ein stark frequentierter Ort. Hier wird geschlafen, gespielt, getobt und gelernt. Es liegt also nahe, gerade in diesem Bereich auf ein angenehmes Wohnumfeld und eine schadstoffarme Umgebung zu achten. Besondere Aufmerksamkeit sollte dabei u.a. dem Boden zukommen. Er zählt nämlich zu den Lieblingsorten von Kindern. Vor allem Babys und Kleinkinder verbringen sehr viel Zeit auf dem Boden, sei es liegend, krabbelnd oder spielend. Ein Boden, der schön aussieht und der sich zudem gut anfühlt, beeinflusst also nicht nur die Behaglichkeit eines Raumes, er ist auch bedeutend für die Komfortzone der jüngeren Generation. Da Bodenbeläge zudem große Flächen innerhalb des Hauses bedecken, sollten Eltern der Beschaffenheit des Bodens und der darunterliegenden Baumaterialien besondere Aufmerksamkeit schenken. Nicht weniger wichtig sind die häufig zitierten „vier Wände“. Auch sie – und alles, was sich sonst so hinter der vordersten, der sichtbaren Oberfläche verbirgt – haben entscheidenden Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft.

 

 

Was Eltern tun können

Gute Raumluft wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden, die Gesundheit und die Entwicklung von Kindern aus. Um dem Nachwuchs von klein auf ein gesundheitsförderliches Aufwachsen und Leben zu ermöglichen, ist es notwendig, auch das eigene Zuhause so wohngesund wie möglich zu gestalten. Doch es ist nicht immer leicht, aus den vielfältigen Angeboten die richtige Auswahl beim Einrichten, Neugestalten oder Umbauen des Kinderzimmers zu treffen. Noch schwieriger scheint es beim Bauen oder Modernisieren eines Hauses zu sein. Hier kann eine qualifizierte unabhängige Beratung Licht ins Dunkel bringen. Beim Einkauf sind deshalb Anbieter, die sowohl ein breites Angebot an zertifizierten Produkten vorhalten als auch umfassend beraten können, die erste Wahl.

 

7 Tipps, die Eltern beherzigen sollten

Im Hinblick auf die Gestaltung eines wohngesunden Lebensumfelds für Ihre Kinder, können außerdem folgende Überlegungen weiterhelfen:

1.     Einer der ersten Schritte für die Gestaltung eines gesunden Kinderzimmers ist, sich über die Möglichkeiten wohngesunden Bauens zu informieren. Wohngesunde Baumaterialien sind emissionsarm bzw. schadstoffarm.

2.     Wichtig ist auch, sich vor dem Neubau oder der Modernisierung einen Überblick über die Materialzusammensetzung von Baustoffen, deren Schadstoffgehalt und Emissionsverhalten zu verschaffen. Gute Baustoff-Fachhändler sowie ausgewählte Baumärkte verfügen über Produktlisten speziell zu wohngesunden Baustoffen und sind in der Lage unabhängig zu beraten.

3.     Beim Bau sollte grundsätzlich auf leicht-, mittel- und schwerflüchtige organische Substanzen verzichtet werden. Gemeint sind hierbei insbesondere Lösungsmittel und Formaldehyd, Biozide, Weichmacher und Flammschutzmittel. Prinzipiell sind schadstoffarme Baustoffe, die durch einen Prüfbericht oder ein Zertifikat gekennzeichnet sind, sowie emissionsarme Kleber oder Bodenbeläge vorzuziehen.

4.     Die Renovierung oder der Umbau eines Kinderzimmers sollte bereits einige Monate vor der Geburt des Nachwuchses unter Verwendung wohngesunder Produkte stattfinden. So können die selbst in gesunden Materialien vorkommenden Emissionen noch ablüften und die Konzentration in der Raumluft weiter abgesenkt werden.

5.     Schadstoffe und riskante Substanzen lauern auch und besonders in Einrichtungsgegenständen. Achten Sie daher ganz bewusst darauf, den Innenraum Ihrer vier Wände nicht mit ausdünstenden Wohngiften zu belasten und gestalten Sie das Kinderzimmer mit Möbeln, Polstern und Textilien, Wohnaccessoires und Spielsachen, die schadstoffarm sind.

6.     Lassen Sie im Zweifel die Qualität der Innenraumluft im Kinderzimmer messen. Dies kann vor allem in Altbauten aufschlussreich sein. Sollten hier aus gesundheitlichen Gründen Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen erforderlich sein, lassen Sie die Beseitigung etwaiger gesundheitsschädlicher Materialien in jedem Fall durch ein fachlich qualifiziertes Unternehmen durchführen und erwägen Sie im Anschluss wohngesunde Alternativen.

7.     Achten Sie auf Gütesiegel, die nicht nur die Ökobilanz zertifizieren, sondern auch wohngesundheitliche Anforderungen bewerten. Qualifizierte Siegel basieren auf der Grundlage klar nachvollziehbarer Bewertungskriterien.

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